Stellungnahmen & Vorträge

Resolutionen der ordentlichen Vollversammlung 2020

Resolutionen der Vollversammlung des KLRÖ 2020

Für mehr Synodalität

Der Katholische Laienrat Österreichs setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass das Prinzip der Synodalität immer mehr Raum in der katholischen Kirche gewinnt. Das gilt nicht nur für Synoden der Weltkirche und auf der Ebene von Bischofskonferenzen und Diözesen. Es hat auch für die ständigen Abläufe und Vorgangsweisen in Diözesen, Vikariaten und Pfarren Konsequenzen: Für das Leben der Ortskirche grundlegende wichtige Fragen und Entwicklungsvorschläge (abgesehen von Glaubensinhalten und Moralfragen) sollten einerseits in Gremien diskutiert und entschieden und andererseits durch Gremien kontrolliert werden, die aus Vertretern des Weihestandes, Ordensmitgliedern und Laienchristen (Frauen und Männern) zusammengesetzt sind. Die Mitglieder der Gremien sollen zum Teil und unter ihnen die Laienchrist/inn/en zu einem hohen Prozentsatz durch Wahlen in die Gremien entsandt werden.

 

Für den Ethikunterricht

Der Katholische Laienrat Österreichs begrüßt neuerlich nachdrücklich die Entscheidung der Bundesregierung und im Besonderen von BM Univ.-Prof. Dr. Faßmann, einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler/innen einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Der KLRÖ appelliert an die Verantwortlichen, den Ethikunterricht mit derselben Stundenzahl wie der für den Religionsunterricht geltenden einzuführen, in entsprechender Qualität und unterrichtet von entsprechend ausgebildeten Lehrpersonen. Der KLRÖ appelliert außerdem an die Bundesregierung, den Ethikunterricht nicht nur für die Sekundarstufe II (ab der 9. Schulstufe, inklusive der Berufsschulen), sondern in der Folge ehestmöglich auch für die Schulen der Sekundarstufe I (für die 5. bis 8. Schulstufe) umzusetzen.

Begründung: Die Verpflichtung zur ethischen Bildung besteht zwar als allgemeines Bildungsprinzip bereits für jede Schule als Bildungs- und Erziehungsinstitution. Information und Auseinandersetzung mit ethischen Werten in expliziter und systematischer Form, sowohl im individualethischen als auch im sozialethischen Bereich, werden aber immer unumgänglicher für eine umfassende Bildung der Kinder und Jugendlichen. Das gilt insbesondere in unserer pluralen, zunehmend multiethnischen, multireligiösen und immer stärker technisierten Gesellschaft, in die sie mit gesellschaftlicher Verantwortung hineinwachsen sollen. 

Der KLRÖ bedauert die derzeit angekündigte Verschiebung der Einführung um ein Jahr außerordentlich.

 

Für ein umfassendes Pflegekonzept

Begründung:

461.000 Menschen sind in Österreich auf Pflegeleistungen angewiesen. Im Jahr 2050 werden es laut Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) rund  750.000 Menschen sein.

Etwa 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden zu Hause durch Angehörige gepflegt. Auf die Situation pflegender Angehöriger muss daher besonderes Augenmerk gelegt werden, indem Angehörige als zentrale Gruppe wahrgenommen, wertgeschätzt und gestärkt werden; die Angebotsvielfalt auch hinsichtlich Flexibilität ausgebaut wird, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter gefördert sowie die Sensibilisierung, Information und Beratung problemzentriert angeboten werden.

Pflegearbeit bringt erhöhte Wertschöpfung für die gesamte Gesellschaft. Österreich braucht daher ein Pflegekonzept, das sowohl eine langfristig leistbare und finanzierbare Pflege als auch die Ausbildung und Bereitstellung des dafür erforderlichen Pflege- und Betreuungspersonals sicherstellt.

Um die künftigen Herausforderungen im Bereich Pflege bewältigen zu können, fordert der Katholische Laienrat deswegen ein umfassendes Pflegekonzept für alle Altersgruppen mit diesen Zielen:

• ein Altern in voller Respektierung der Würde ermöglichen

• eine leistbare, bedarfsgerechte Pflege und Betreuung sicherstellen

• Familien bei der Pflege und Betreuung zu Hause adäquat unterstützen

• pflegende Angehörige durch flächendeckende Entlastungsangebote für Kurzzeit- und Langzeitpflegeplätze unterstützen

• durchgängige Systeme zwischen Akut-, Reha- und Pflegebetten schaffen

• einheitliche Qualitäts-, Versorgungs- und Finanzierungsstandards garantieren

• One-Stop-Shops für Pflegeberatung schaffen

• realistische und transparente Kriterien für die Pflegegeld-Einstufung erstellen (das bedeutet: von Momentaufnahmen Abstand nehmen, Befunde berücksichtigen, den Hausarzt/die Hausärztin zu Rate ziehen)

• eine adäquate Pflegegeld-Einstufung für Demenzkranke sicherstellen

• das Image der Pflegeberufe aufwerten

• die fächerübergreifende Ausbildung ausbauen

• einen verpflichtenden Staatsdienst für Männer und Frauen andenken, der diesen eine Wahlfreiheit des Einsatzgebietes (Wehrdienst, Pflege, Sanitäter, Kinderbetreuung und Ähnliches) ermöglicht.

Gegen die Freigabe der Beihilfe zur Selbsttötung und der Tötung auf Verlangen

Der Katholische Laienrat Österreichs bestärkt aufs Neue seine bisherige Auffassung, nach der alle Formen der aktiven Beihilfe zum Sterben auf Verlangen, insbesondere aber auch zur Tötung bloß auf die vermutete Einwilligung hin, als der Menschenwürde zutiefst widersprechend abzulehnen sind. Er fordert alle politischen Verantwortungsträger auf, den in Österreich bisher bestehenden Konsens in dieser Frage ohne Abstriche aufrecht zu erhalten und in den europäischen Gremien ohne Kompromisse gegen diese menschenunwürdige Form des Lebensendes aufzutreten.

Begründung:

Tötung auf Verlangen und aktive Unterstützung des vorzeitigen Sterbens widerspricht der Sittlichkeit ethischer Grundentscheidungen,

-         weil man unter „Tod" das in jeder Hinsicht diametrale Gegenteil von „Leben" versteht. Tod bedeutet nicht eine abgeschwächte Form von Leben, auch nicht bloß das Fehlen von Leben, sondern das, was Leben nicht ist. Daher kann man logisch nicht vom „Recht auf Leben" als dem wohl grundlegendsten formulierten Menschenrecht ein Recht auf dessen unüberbietbares Gegenteil, nämlich den Tod ableiten, in welcher Form auch immer, vor allem nicht juristisch. 

-         weil eine Güterabwägung zwischen mehr oder weniger Leid und dem Tod als Ende allen Lebens nicht sinnvoll getroffen werden kann. Auch schweres unvermeidbares Leid kann in respektgebietender Haltung und in der Hoffnung ertragen werden, dass Leben in jeder Form Sinn erlebbar machen kann.

-         weil die Ambivalenz der konkreten Wünsche Sterbender eine klare Willensbildung und die äußere Erkennbarkeit des klar formulierten Willens ausschließt.

-         weil die Tötung auf (vermeintliches) Verlangen die individuelle, aber auch die gesellschaftliche Freiheit vermindert, insofern der Druck auf vorzeitige Beendigung des Lebens nicht zuletzt auf Grund des Kostenarguments ins Ungeheure steigen wird.

-         weil jede Ermöglichung solchen vorzeitigen und mutwilligen Sterbens die wahre Autonomie der Persönlichkeit ungebührlich einschränkt, da der Ernst der unausweichlichen Endgültigkeit der Entscheidung verdeckt wird durch den Anschein der gesellschaftlichen Akzeptanz.

-         weil sie der Würde des ärztlichen Berufsstandes widerspricht, insofern sie den Arzt in eine Doppelrolle zwingt: Im Interesse des einzelnen Menschen und in Respekt vor seinem eigenen hippokratischen Eid muss er um die Erhaltung jedes Lebens kämpfen, zugleich soll er auf Grund nichtmedizinischer Argumente und Begründungen die Beendigung des Lebens durch aktives Tun und direkt anstreben.

-         weil es der ethischen Autonomie des Einzelnen widerspricht, in einem retrograden und paternalistischen Denken den Arzt wieder zum „Herrn über Leben und Tod" zu machen.

-         weil es der Menschenwürde der Beteiligten wiederspricht, insofern der Sterbende oder unheilbar Kranke von seiner Mitwelt eine Entscheidung verlangt, die gegen deren letzte ethische Grundverantwortung sein kann und auf Grund ihrer Irreversibilität unter Umständen eine lebenslange Belastung des Gewissens darstellt.

-         weil jede Freigabe der Tötung menschlichen Lebens vermutlich irreversibel ist und daher kommende Generationen über Gebühr belastet. Eine korrumpierte Gesellschaft wird auch in anderer Hinsicht zu einer Nivellierung ethischer Auffassungen neigen.

Begründung der Aktualität:

Bereits 1999 hat der Europarat mit überwältigender Mehrheit eine Resolution gegen die Freigabe aller Arten von Tötung auf Verlangen angenommen (Recommendation 1418). Ihr hat sich der Ministerrat des Europarates 2002 angeschlossen.

Dessen ungeachtet haben die Parlamente der Niederlande,  Belgiens sowie der Schweiz Gesetze verabschiedet, die die Tötung auf Verlangen freigeben, wenn auch  unter bestimmten Kautelen - die bisher bekannten negativen Konsequenzen bestätigen die Einwände dieser Resolution, sie führen zu teilweise absurden Ergebnissen: Vielfach begeben sich Staatsbürger dieser Länder in verstärktem Ausmaß in Pflegeanstalten der Nachbarländer, weil offenbar das Vertrauen in den Schutz des Lebens im eigenen Land nicht mehr gewährleistet ist. Andererseits suchen viele Bürger jener Länder, die diese Form der Sterbehilfe ablehnen, zum Vollzug in eines dieser Länder.  Beides stellt eine herausfordernde Provokation der anderen Mitglieder des Europarates dar.

Vor kurzem hat auch das Verfassungsgericht der Bundesrepublik Deutschland eine Entscheidung getroffen, nach der geschäftsmäßige Sterbehilfe als verfassungskonform gilt und nicht verboten werden darf. Die Argumentation ist jedoch keineswegs nachvollziehbar.

Daher ist auch der Gesetzgeber in Österreich aufzufordern, alles zu unternehmen, dass diese Entwicklung nicht weiter fortschreitet - eine Umkehr wäre wohl kaum mehr vorstellbar!