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Bericht über die Vollversammlung des KLRÖ 2020

Katholischer Laienrat: Klares Nein zur sogenannten „Sterbehilfe"

Bericht von Erich Leitenberger

„Tötung auf (vermeintliches) Verlangen mindert die individuelle, aber auch die gesellschaftliche Freiheit" Ein klares Nein hat der Katholische Laienrat (KLRÖ) bei seiner Vollversammlung am Samstag, 7. März, in Wien zur sogenannten „Sterbehilfe" formuliert. Der Laienrat rief seine bereits bisher vertretene Auffassung in Erinnerung, wonach „alle Formen der aktiven Beihilfe zum Sterben auf Verlangen, insbesondere aber auch zur ‚Tötung bloß auf die vermutete Einwilligung hin‘, als der Menschenwürde zutiefst widersprechend abzulehnen sind". An die politischen Verantwortungsträger ergehe die Aufforderung, „den in Österreich bisher bestehenden Konsens in dieser Frage ohne Abstriche aufrecht zu erhalten" und in den europäischen Gremien gegen diese menschenunwürdige Form des Lebensendes aufzutreten.

In der Begründung der Resolution wird daran erinnert, dass man vom „Recht auf Leben" als dem am grundlegendsten formulierten Menschenrecht kein Recht auf dessen Gegenteil, nämlich den Tod, ableiten kann, „in welcher Form auch immer, vor allem nicht juristisch". Eine Güterabwägung zwischen mehr oder weniger Leid und dem Tod als Ende allen Lebens könne nicht sinnvoll getroffen werden. Auch schweres  unvermeidbares Leid könne in respektgebietender Haltung und in der Hoffnung ertragen werden, dass „Leben in jeder Form Sinn erlebbar machen kann". Die Tötung auf (vermeintliches) Verlangen mindere die individuelle, aber auch die gesellschaftliche Freiheit, weil „der Druck auf vorzeitige Beendigung des Lebens nicht zuletzt auf Grund des Kostenarguments ins Ungeheure steigen wird". Die Würde des ärztlichen Berufsstandes werde gefährdet, weil man dem Arzt eine Doppelrolle aufzwinge: Im Interesse des einzelnen Menschen und in Respekt vor seinem hippokratischen Eid müsse er um die Erhaltung jedes Lebens kämpfen, zugleich solle er auf Grund nichtmedizinischer Argumente und Begründungen die Beendigung des Lebens durch aktives Tun und direkt anstreben. Es bedeute aber auch einen Widerspruch zur Menschenwürde aller Beteiligten, wenn der Sterbende oder unheilbar Kranke von seiner Mitwelt eine Entscheidung  verlange, die „gegen deren letzte ethische Grundverantwortung sein kann und auf Grund ihrer Irreversibilität unter Umständen eine lebenslange Belastung des Gewissens darstellt".

Zugleich wird in der Begründung der Resolution auch daran erinnert, dass die Freigabe der „Tötung auf Verlangen" etwa in den Niederlanden, in Belgien und in der Schweiz zu teilweise absurden Ergebnissen geführt habe: Vielfach würden sich Bürgerinnen und Bürger dieser Länder in verstärktem Ausmaß in Krankenhäuser und Pflegeanstalten der Nachbarländer begeben, weil offenbar das Vertrauen in den Schutz des Lebens im eigenen Land nicht mehr gewährleistet ist. Ebenso gebe es einen „Sterbehilfe"-Tourismus in die Länder, wo die „Tötung auf Verlangen" freigegeben wurde. Beide Phänomene stellten eine „herausfordernde Provokation" für die anderen europäischen Staaten dar.

„Pflegekonzept" notwendig In einer weiteren Resolution nahm der Katholische Laienrat zum heißen politischen Thema „Pflege" Stellung. Dabei wurde darauf verwiesen, dass derzeit in Österreich mehr als 460.000 Menschen auf Pflegeleistungen angewiesen sind. 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen würden in Österreich durch Angehörige gepflegt. Österreich brauche „dringend" ein Pflegekonzept, das sowohl eine langfristig leistbare und finanzierbare Pflege als auch die Ausbildung und Bereitstellung des dafür erforderlichen Pflege- und Betreuungspersonals sicherstellt. Das Pflegekonzept „für alle Altersgruppen" müsse eine „leistbare und bedarfsgerechte" Pflege und Betreuung sicherstellen, die Familien bei der Pflege zu Hause entsprechend unterstützen, pflegende Angehörige durch flächendeckende Angebote für Kurzzeit- und Langzeitpflegeplätze entlasten, „One-Stop-Shops" für Pflegeberatung schaffen, realistische Kriterien für Pflegegeld-Einstufung erstellen (ohne „Momentaufnahmen"), eine entsprechende Pflegegeld-Einstufung für Demenzkranke sichern und das Image der Pflegeberufe aufwerten. Ausdrücklich votierte der Laienrat auch für einen verpflichtenden Dienst für Burschen und Mädchen, der diesen „die Wahlfreiheit des Einsatzgebietes (Wehrdienst, Pflege, Sanität usw.) ermöglicht".

Ja zum Ethikunterricht „Nachdrücklich" begrüßt der Katholische Laienrat in einer eigenen Resolution die Entscheidung der österreichischen Bundesregierung und des zuständigen Ministers Heinz Faßmann, einen „verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen". Der Ethikunterricht müsse in der selben Stundenzahl wie für den Religionsunterricht „in entsprechender Qualität" eingeführt werden, ausgebildete Lehrpersonen seien beizustellen. Der Laienrat verlangt außerdem, dass der Ethikunterricht nicht nur für die Sekundarstufe II (ab der 9. Schulstufe, inklusive Berufsschulen) einzuführen sei, sondern „ehestmöglich" auch für die Sekundarstufe I (5. bis 8. Schulstufe).

In der Resolution wird daran erinnert, dass die Verpflichtung zur ethischen Bildung als „allgemeines Bildungsprinzip" für alle Schulen bereits bestehe. Information über und Auseinandersetzung mit ethischen Werten „in expliziter und systematischer Form" sei aber immer dringlicher für eine umfassende Bildung der Kinder und Jugendlichen. Das gelte umso mehr in einer zunehmend multiethnischen, multireligiösen und technisch bestimmten Gesellschaft.

Der Katholische Laienrat bedauert die angekündigte Verschiebung der Einführung des Ethikunterrichts um ein Jahr „außerordentlich".

Synodalität: Laienrat auf einer Linie mit Papst Franziskus Laienchristen setzen sich dafür ein, dass „das Prinzip der Synodalität" immer mehr Raum in der katholischen Kirche gewinnt. Innere Übereinstimmung par excellence: Genau am Samstag, 7. März, als der Katholische Laienrat Österreichs (KLRÖ) in Wien seine Vollversammlung dem Thema  „Synodalität in der katholischen Kirche" widmete, teilte der Vatikan mit, dass Papst Franziskus die nächste Bischofssynode im Oktober 2022 unter das Thema „Für eine synodale Kirche:Gemeinschaft, Partizipation und Mission" stellt. Der Präsident des Laienrats, Wolfgang Rank, erinnerte bei der Eröffnung der  Vollversammlung daran, dass die Internationale Theologische Kommission die „Synodalität" (das Prinzip der gemeinschaftlichen Entscheidung)  als „grundlegende Dimension der Kirche" definiert hat.  Der Katholische Laienrat setzte sich am Samstag in einer Resolution mit Entschlossenheit dafür ein, dass „das Prinzip der Synodalität  immer mehr Raum in der katholischen Kirche gewinnt". Das gelte nicht nur für Synoden der Weltkirche und auf der Ebene von Bischofskonferenzen und Diözesen. Das Prinzip habe auch für die ständigen Abläufe und Vorgangsweisen in Diözesen, Vikariaten und Pfarrgemeinden Konsequenzen.  Grundlegende wichtige Fragen und Entwicklungsvorschläge („abgesehen von Glaubensinhalten und Moralfragen") sollten in Gremien diskutiert und entschieden und in anderen Gremien kontrolliert werden. Alle diese Gremien sollten aus Priestern, Ordensleuten und Laienchristen (Frauen und Männern) zusammengesetzt sein. Die Mitglieder der Gremien - vor allem die Laien unter ihnen - sollten zu einem „hohen Prozentsatz" durch Wahlen in die Gremien entsandt werden. Im Studienteil der Vollversammlung legten der Leiter des Instituts für Praktische Theologie der Universität Innsbruck, Prof. Christian Bauer („Mehr Synodalität wagen! Inspirationen von Papst Franziskus"), und der frühere Generalsekretär des „Zentralkomitees deutscher Katholiken" (ZdK), Stefan Vesper („Der Synodale Weg in Deutschland: Versuch der Verwirklichung der Synodalität"), Grundfragen der Synodalität dar. Prof. Bauer erinnerte daran, dass Kirche und Macht eng zusammenhängen, leider auch „der Missbrauch der Macht"  bis hin zum sexuellen Missbrauch. Den von Papst Franziskus wiederholt angeprangerten „Klerikalismus"  bezeichnete der in Innsbruck lehrende Theologe als „strukturelle Sünde". Bei der Kirchenreform gehe es um eine „Evangelisierung nach innen",  eine Überwindung „evangeliumswidriger" Zustände in der Kirche.  An Hand der  beiden griechischen Begriffe, aus denen sich in den meisten Sprachen die Bezeichnungen für Kirche herleiten, machte Prof. Bauer klar, dass die Kirche „weder Monarchie noch Demokratie" sein kann: „Kyriake" bedeute  „dem Herrn gehörend", „Ekklesia" die Volksversammlung, beides sei notwendig.

Noch nie habe sich ein Papst so vehement gegen den Klerikalismus geäußert wie Franziskus, so Prof. Bauer. Der Papst gehe an die Wurzel, er beschreibe eine Kirche, die vom Lehren zum Zuhören übergeht. Ziel sei es, „Jüngerinnen und Jünger Jesu" zu sein. Beim „synodalen Weg" gehe es nicht um Kirchenpolitik, sondern um einen „spirituellen Weg". Prof. Bauer plädierte für eine Synodalität nach innen und nach außen, „auch für eine Weggemeinschaft mit allen Menschen guten Willens".

Stefan Vesper schilderte, wie es in Deutschland auf dem Hintergrund des ungeheuren Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlusts in Folge der Missbrauchs-Tragödie dazu kam, dass die Deutsche Bischofskonferenz und das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken" sich zum „Synodalen Weg" entschlossen. Vesper charakterisierte den in Deutschland eingeschlagenen Pfad als einen „Weg der Mitte"  zwischen dem konservativen „Das darf doch nicht sein" und dem ultraprogressiven „Es macht keinen Sinn". Ziel des „Synodalen Wegs" (alle Informationen: www.synodalerweg.de) sei es, die Themen „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche", die „priesterliche Existenz heute", das „Leben in gelingenden Beziehungen" und die „Frauen in (kirchlichen) Diensten und Ämtern" zu bedenken.  Präsident Rank berichtete über die Fortschritte bei der Umsetzung des Projekts einer „strukturierten strategischen Absprache" zwischen Vertretern der Bischofskonferenz und der katholischen Laienorganisationen  in Österreich. Die „Planungsgruppe" für die „strategische Absprache" wird am 23. März wieder zusammentreten. Dem Laienrat gehe es bei diesem Projekt um den Dienst der Laienchristen in Gesellschaft und Kirche, um die Mitgestaltung im politischen und sozialen Entscheidungsprozess in Österreich auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre und um die Wahrung von Menschenwürde und Lebensschutz sowohl auf der Österreich- als auch auf der Europa-Ebene.  An der „Absprache" nehmen mit den Bischöfen Repräsentantinnen und Repräsentanten des Katholischen Laienrats, der Katholischen Aktion, der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände und der neuen „Movimenti" teil.