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Vollversammlung 2019 des KLRÖ

Bericht von Erich Leitenberger

Katholischer Laienrat: Leute wählen, die für das „Projekt Europa“ eintreten

Vollversammlung des Forums der Laienorganisationen verabschiedete Resolutionen zu den Europawahlen und zum Ethikunterricht

Wien, 10.03.19 (klrö) Unter dem Titel „Freude am Projekt ‚Europa‘“ hat die Vollversammlung des Katholischen Laienrates Österreichs (KLRÖ) am Samstag in Wien einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der eindringlich zur Teilnahme an den Europawahlen am 26. Mai und zur Wahl von Kandidatinnen und Kandidaten aufgerufen wird, die für das Projekt „Europa“ eintreten und sich an den grundlegenden Menschen- und Bürgerrechten sowie Werten wie Freiheit, Personalität, Solidarität und Subsidiarität orientieren. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die Wahlen zum EU-Parlament finden in einer Zeit besonderer Herausforderungen statt. Gerade deshalb wird für Christinnen und Christen bei der Beurteilung der wahlwerbenden Parteien und ihrer führenden Persönlichkeiten ein wesentlicher Maßstab sein müssen, ob und wie weit diese Gruppen und ihre Exponenten überzeugend für das Projekt ‚Europa‘ eintreten und sich bemühen, die Grundsätze der christlichen Gesellschaftsgestaltung umzusetzen. Denn trotz aller Krisendiskussionen gibt es eine Vielzahl von Gründen, sich am bisherigen Erfolg des großen Friedensprojekts Europa zu freuen. Diese Einstellung wird auch bei der Bewältigung anstehender Probleme hilfreich sein.

Für Christinnen und Christen besteht bei den Wahlen zum EU-Parlament eine doppelte Herausforderung:

1.  1. auf Grund der bei den Europawahlen traditionell niedrigen Wahlbeteiligung die Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, ihr grundlegendes demokratisches Wahlrecht auszuüben und zur Wahl zu gehen,

2.  2. zum anderen geht es darum, dass sich die Wählerinnen und Wähler im Hinblick auf die Wahl vergewissern, welcher der wahlwerbenden Parteien (und welchen ihrer Exponenten) er/sie die Stimme gibt. Dabei stellen sich angesichts der aktuellen politischen Diskussion insbesondere folgende Fragen:

- Welche der Parteien und welche ihrer Kandidatinnen und Kandidaten treten dafür ein, dass die europäische Werte- und Solidargemeinschaft im Rahmen der grundlegenden Menschen- und Bürgerrechte bestmöglich vertreten und in der politischen Praxis respektiert wird?

- Welche der Parteien und welche ihrer Kandidatinnen und Kandidaten treten auch dafür ein, dass die grundlegenden Werte wie Freiheit und Personalität, Solidarität und Subsidiarität in Rechtsstaatlichkeit und Demokratie entschlossen vertreten werden? 

„Mit derselben Stundenzahl wie Religion“

In einer weiteren Resolution begrüßte die Vollversammlung des Laienrates die Entscheidung für den Ethikunterricht. In dieser Resolution heißt es wörtlich: „Der Katholische Laienrat Österreichs begrüßt nachdrücklich die Entscheidung der Bundesregierung und im Besonderen von Bildungsminister Heinz Faßmann, einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Der KLRÖ appelliert an die Verantwortlichen, den Ethikunterricht mit derselben Stundenzahl wie den für den Religionsunterricht geltenden einzuführen, in entsprechender Qualität und unterrichtet von entsprechend ausgebildeten Lehrpersonen“. Ausdrücklich plädiert der Laienrat dafür, den Ethikunterricht nicht nur für die Sekundarstufe II (ab der 9. Schulstufe, inklusive der Berufsschulen), sondern in der Folge „ehestmöglich“ auch für die Schulen der Sekundarstufe I (für die 5. bis 8. Schulstufe) umzusetzen.

Die Verpflichtung zur ethischen Bildung bestehe zwar als allgemeines Bildungsprinzip bereits für jede Schule als Bildungs- und Erziehungsinstitution, heißt es in der Resolution: “Information und Auseinandersetzung mit ethischen Werten in expliziter und systematischer Form, sowohl im individualethischen als auch im sozialethischen Bereich, werden aber immer unumgänglicher für eine umfassende Bildung der Kinder und Jugendlichen. Das gilt insbesondere in unserer pluralen, zunehmend multiethnischen, multireligiösen und immer stärker technisierten Gesellschaft, in die sie mit gesellschaftlicher Verantwortung hineinwachsen sollen“.   

„Strukturierter Dialog“ mit den Bischöfen

Die Vollversammlung des Laienrates befasste sich aber auch eingehend mit der geplanten, aber jetzt ausgesetzten Neuordnung der katholischen Laienorganisationen auf Österreich-Ebene. Die Österreichische Bischofskonferenz hatte vier Bischöfe – Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl (Graz), Diözesanbischof Alois Schwarz (St. Pölten), Militärbischof Werner Freistetter und Weihbischof Stephan Turnovszky (Wien) – beauftragt, ein professionell begleitetes Projekt zu dieser Neuordnung in die Wege zu leiten. Im Rahmen dieses Projektes brachte Präsident Wolfgang Rank wichtige Anliegen des Katholischen Laienrates ein: ständige Gesprächsebene mit den Bischöfen, Betonung des Dienstes der katholischen Laien sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft, Mitgestaltung im politischen Entscheidungsprozess, Augenmerk auf Fragen der Achtung der Menschenwürde und des Lebensschutzes, sowohl auf Österreich- als auch auf Europa-Ebene.

Nachdrücklich begrüßte die Vollversammlung in einer einstimmig verabschiedeten Resolution das Angebot der Österreichischen Bischofskonferenz, einen regelmäßigen „strukturierten Dialog“ mit Spitzenvertreterinnen und –vertretern der katholischen Laienorganisationen auf Österreich-Ebene einzurichten. Solche regelmäßigen Gespräche seien eine der „Formen der Umsetzung der Kooperation und der Synodalität, wie sie im Kirchenbild des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgesehen sind bzw. verlangt werden“. Die Vollversammlung beauftragte den KLRÖ-Vorstand, aus den beiden Laienrats-Resolutionen „Für die Erneuerung von Gesellschaft und Wirtschaft in Österreich“ (2015) und „Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft der katholischen Kirche in Österreich“ (2018) jene Themen herauszuarbeiten, die vom Laienrat in den Dialog mit den Bischöfen eingebracht werden sollen. In den „Überlegungen“ wird zum Beispiel daran erinnert, dass das Zweite Vatikanische Konzil immer das „Volk Gottes“ als die „ganze Kirche“ im Blick hat, in der Klerus und Laien aufeinander zugeordnet sind und die sich aktiv zur Welt, in der sie lebt, in Beziehung setzt. Von daher werde es „möglich, aber auch notwendig, konkrete Fragen und Herausforderungen kirchlichen Lebens neu und dynamisch zu verstehen“: Zunächst gelte, dass „die Beziehungen zwischen allen Gliedern des Gottesvolkes nicht als Machtausübung zu verstehen sind“. Ein machtförmiges Verständnis des Beziehungsverhältnisses etwa von Priestern und Laien oder von Männern und Frauen widerspreche der theologischen Grundlegung der Beziehungen innerhalb der Kirche. Die ganze Kirche solle ohne eine Über- und Unterordnung vorleben, dass die verschiedenen Geschlechter, Ämter, Dienste und auch Altersgruppen einander nicht abwerten. Die für jede menschliche Gemeinschaft notwendigen Ordnungsstrukturen seien damit aber nicht überflüssig.

Präsident Rank erinnerte daran, dass der Katholische Laienrat 2020 sein 50-Jahr-Jubiläum begeht. Aber bereits zehn Jahre vor 1970 – im Jahr 1960 – hatte Kardinal Franz König eine „Kommission der katholischen Organisationen in Österreich“ einberufen, die gewissermaßen eine Vorgängerin des Laienrats war.  Am Beginn der jetzigen Vollversammlung wurde zweier in den letzten Monaten verstorbener Präsidenten des Laienrates gedacht, die wesentlich zur Entwicklung dieses Forums der katholischen Laienorganisationen beigetragen hatten: Heinrich Schneider und Ernst Waldstein.