Stellungnahmen & Vorträge

Resolutionen der Vollversammlung 2019 des KLRÖ

Resolutionen der Vollversammlung des KLRÖ 2019

Zum strukturierten Dialog mit Bischöfen

Die Vollversammlung des Katholischen Laienrats Österreichs begrüßt nachdrücklich das Angebot der Österreichischen Bischofskonferenz und der Lenkungsgruppe, einen regelmäßigen „strukturierten Dialog“ mit Spitzenvertreter/inne/n  der katholischen Laienorganisationen auf Österreichebene einzurichten. Solche regelmäßige Gespräche stellen eine der Formen der Umsetzung der Kooperation und der Synodalität dar, wie sie im Kirchenbild des 2. Vatikanums vorgesehen sind bzw. verlangt werden.  

Die Vollversammlung beauftragt den Vorstand, aus den beiden umfassenden Resolutionen der Vollversammlung „Für die Erneuerung von Gesellschaft und Wirtschaft in Österreich“ (2015) und „Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft der Katholischen Kirche in Österreich“ (2018) jene Themen herauszuarbeiten, die vom KLRÖ in diesen Dialog eingebracht werden sollen.

(Einstimmig angenommen)

 

Zum Ethikunterricht

Der Katholische Laienrat Österreichs begrüßt nachdrücklich die Entscheidung der Bundesregierung und im Besonderen von BM Univ.-Prof. Dr. Faßmann, einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler/innen einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Der KLRÖ appelliert an die Verantwortlichen, den Ethikunterricht mit derselben Stundenzahl wie den für den Religionsunterricht geltenden einzuführen, in entsprechender Qualität und unterrichtet von entsprechend ausgebildeten Lehrpersonen. Der KLRÖ appelliert außerdem an die Bundesregierung, den Ethikunterricht nicht nur für die Sekundarstufe II (ab der 9. Schulstufe, inklusive der Berufsschulen), sondern in der Folge ehestmöglich auch für die Schulen der Sekundarstufe I (für die 5. bis 8. Schulstufe) umzusetzen.

Die Verpflichtung zur ethischen Bildung besteht zwar als allgemeines Bildungsprinzip bereits für jede Schule als Bildungs- und Erziehungsinstitution. Information und Auseinandersetzung mit ethischen Werten in expliziter und systematischer Form, sowohl im individualethischen als auch im sozialethischen Bereich, werden aber immer unumgänglicher für eine umfassende Bildung der Kinder und Jugendlichen. Das gilt insbesondere in unserer pluralen, zunehmend multiethnischen, multireligiösen und immer stärker technisierten Gesellschaft, in die sie mit gesellschaftlicher Verantwortung hineinwachsen sollen. 

(Einstimmig angenommen)

 

Zu den Wahlen zum EU-Parlament

Freude am Projekt „Europa“

Die Wahlen zum EU-Parlament vom 23. bis 26. Mai 2019 finden in einer Zeit besonderer Herausforderungen statt. Gerade deshalb wird für Christ/inn/en bei der Beurteilung der wahlwerbenden Parteien und ihrer führenden Persönlichkeiten ein wesentlicher Maßstab sein müssen, ob und wie weit diese Gruppen und ihre Exponenten überzeugend für das Projekt „Europa“ eintreten und sich bemühen, die Grundsätze der christlichen Gesellschaftsgestaltung umzusetzen. Denn trotz aller Krisendiskussionen gibt es eine Vielzahl von Gründen, sich am bisherigen Erfolg des großen Friedensprojekts Europa zu freuen. Diese Einstellung wird auch bei der Bewältigung anstehender Probleme hilfreich sein.

Für Christ/inn/en besteht bei den Wahlen zum EU-Parlament eine doppelte Herausforderung:

1.      Aufgrund der bei den Europawahlen traditionell niedrigen Wahlbeteiligung die Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, ihr grundlegendes demokratisches Wahlrecht auszuüben und zur Wahl zu gehen.

2.      Zum anderen geht es darum, dass sich jede/r Wähler/in im Hinblick auf die Wahl vergewissert, welcher der wahlwerbenden Parteien (und welchen ihren Exponenten) er/sie die Stimme gibt.

Dabei stellen sich angesichts der aktuellen politischen Diskussion insbesondere folgende Fragen: - Welche der Parteien und welche ihrer Kandidat/inn/en treten dafür ein, dass die europäische Werte- und Solidargemeinschaft im Rahmen der grundlegenden Menschen- und Bürgerrechte bestmöglich vertreten und in der politischen Praxis respektiert wird? - Welche der Parteien und welche ihrer Kandidat/inn/en treten auch dafür ein, dass die grundlegenden Werte wie Freiheit und Personalität, Solidarität und Subsidiarität in Rechtsstaatlichkeit und Demokratie entschlossen vertreten werden? 

(Einstimmig angenommen)

Erläuterungen:

Zweifellos gibt es derzeit radikalisierende, auch nationalistisch-populistische Tendenzen, ein nachhaltiger Verlust an Solidarität ist festzustellen und die Bereitschaft sinkt, auftretende Probleme im Wege von Verhandlungen auf der Basis vertretbarer Kompromisse zu lösen.

Das soll die Freude an Europa nicht verdrängen. Bezüglich der EU ist daran zu erinnern, dass ihre Pioniere nach den schlimmen Erfahrungen der beiden Weltkriege (aber auch darüber hinaus) die Vision hatten, ein Einigungswerk zu schaffen, sie haben damit einen gänzlich anderen Weg als den bisher üblichen eingeschlagen: Entsprechend dieser Vision sollten in Europa künftig solche kriegerische Auseinandersetzungen nicht mehr möglich sein. Eine wichtige Orientierung für diese Vision war die Soziallehre der Kirche (obwohl nicht explizit), in welcher im Zusammenhang mit den Prinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität das Prinzip des Gemeinwohls mit den vielfältigen Dimensionen von zentraler Bedeutung ist.

Mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge im Jahr 1957 wurde von den sechs Signatarstaaten diesbezüglich ein wichtiger Schritt getan. Mittlerweile umfasst die Union (noch) 28 Mitgliedstaaten mit über 500 Millionen Menschen. Obwohl es auf dem Weg zur derzeitigen EU immer wieder Schwierigkeiten und Rückschläge gab, hat sich dieses Einigungswerk letztlich als tragfähig und erfolgreich erwiesen. Natürlich besteht immer wieder die Herausforderung, zwischen der deklarierten Solidarität innerhalb der EU und der nationalstaatlichen Souveränität die notwendige Balance zu finden bzw. zu halten. Wie sehr sich die EU trotz unleugbarer Probleme und Unzulänglichkeiten mittlerweile jedoch fix etabliert und gefestigt hat, zeigen die großen Schwierigkeiten für Großbritannien und die übrigen Mitgliedsstaaten im Zusammenhang mit dem Brexit.

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament geht es darum, sich der Bedeutung dieses Einigungswerkes angesichts der großen Herausforderungen durch die zunehmende Globalisierung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bewusst zu sein. Im Sinne der Pioniere dieser großartigen Vision besteht eine der zentralen Herausforderungen daher weiterhin im Einsatz für ein Zusammenleben in Frieden, Solidarität und wachsendem Wohlstand. Im Hinblick darauf braucht es für eine weitere gedeihliche Entwicklung in Europa eine starke EU mit einem deutlichen Bekenntnis zu den grundlegenden Menschenrechten, zur Demokratie samt Rechtsstaatlichkeit sowie zur Subsidiarität. Eine Schwächung der Union und ihrer Institutionen zugunsten einer Renationalisierung wäre dagegen ein falscher Weg.