Stellungnahmen & Vorträge

Resolutionen der ao. Vollversammlung am 29. August 2010

Bei der außerordentlichen Vollversammlung des KLRÖ am 29. August 2010 in Neuhofen/Ybbs wurden folgende Resolutionen einstimmig beschlossen: Dank an Bischof Iby Der Katholische Laienrat Österreichs bedankt sich bei seinem Referatsbischof Dr. Paul Iby aus vollem Herzen für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit und Beratung, für seine Bemühungen um das Gespräch zwischen der österreichischen Bischofskonferenz und dem KLRÖ, für die Förderung der Präsenz, der Bedeutung und der Mitsprache der katholischen Laienorganisationen in der katholischen Kirche in Österreich. Der Katholische Laienrat Österreichs hofft und erwartet, dass diese Zusammenarbeit, dieses Verständnis und diese Förderung des Beitrags der Laienorganisationen für die Aufgabe der katholischen Kirche in Österreich zusammen mit einem neuen Referatsbischof weiter geführt und weiter entwickelt wird. Zu geplanten Kürzungen im Familienressort Der Katholische Laienrat Österreichs spricht sich gegen die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen im Familienressort in der Höhe von 1,5 Milliarden Euro bis 2014 aus. Familien wurden bereits in der Vergangenheit massiv benachteiligt, weil die Familienleistungen seit Jahren nicht valorisiert wurden und beträchtlich an Wert verloren haben. Weitere Einschnitte bei den Familien wären daher gesellschaftspolitisch fatal und sind daher inakzeptabel. Begründung: Familien haben ein Recht auf Verlässlichkeit und Kontinuität sowie auf eine materielle Abgeltung für ihre vielfältigen und unverzichtbaren Leistungen für unsere Gesellschaft. Auch wenn die Pluralität der Lebensformen zugenommen hat, der Sehnsuchtswert Familie ist nach wir vor in unserer Gesellschaft tief verankert. Ohne Familien mit Kindern gibt es keine Zukunft für die Gesellschaft. Deshalb ist die Familie in ihren verschiedenen Formen besonders schützens- und unterstützenswert. Im Sinne einer ideellen und materiellen Aufwertung der Familien und ihrer Leistungen fordert der Katholische Laienrat, dass diese Leistungen im Steuer-, Pensions- und Transfersystem entsprechend stärker anerkannt und abgegolten werden. Ganz konkret fordert der KLRÖ - so wie es auch der Katholische Familienverband Österreichs schon seit Jahren fordert - eine längst überfällige Reparatur des Familienlastenausgleichsfonds, zu dessen Finanzierung bisher fast ausschließlich Erwerbseinkommen herangezogen werden, und eine Weiterentwicklung zu einem Familien"leistungs"ausgleichsfonds. Der KLRÖ spricht sich dafür aus, dass den Anliegen der Familie im gesellschaftspolitischen Diskurs und in der konkreten Politik der hohe Rang zuerkannt wird, der ihr zukommt!   Zu „Kind als Schadensfall" Der Katholische Laienrat Österreichs begrüßt die Bemühungen, die Unterstützung für Eltern von behindert geborenen Kindern unabhängig vom Schadensersatzrecht durch Bestimmungen im Sozialrecht zu regeln. Ein Kind darf niemals ein „Schadensfall" sein. Die besondere Förderung von behinderten Kindern soll sich in der vorgeburtlichen Beratung von Eltern, in einer Frühförderung, in der Aufnahme in Kindergärten und Schulen, soweit das möglich ist, und in besonderer finanzieller Unterstützung ausdrücken.    Begründung: Durch die Gerichtsurteile, die Eltern von behindert geborenen Kindern den Ersatz des Lebensunterhalts aufgrund des Schadensersatzrechtes zuerkannt haben, wird in der Gesellschaft die Einstellung gefördert, die Geburt eines behinderten Kindes sei ein „Schadensfall" und müsse daher mit allen Mitteln verhindert werden. Zugleich wird die Einstellung zu Menschen mit Behinderung insgesamt stark negativ beeinflusst. Durch das derzeit geltende Recht und die darauf beruhenden Gerichtsurteile wächst der Druck auf die Ärzte, alles zu unternehmen, um jedes mögliche Risiko für sich selbst auszuschalten, damit sie nicht selbst mit hohen Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. Dieser Druck wird durch das vermeintliche Recht auf ein gesundes Kind besonders verstärkt. Daher drängen Ärzte schwangere Frauen, alle möglichen vorgeburtlichen Untersuchungen vornehmen zu lassen - auch solche, die gar nicht geboten erscheinen, und solche, die dem werdenden Kind schaden könnten. Schließlich wächst der Druck auf Ärzte, bei geringstem Verdacht auf eine Behinderung zur Abtreibung zu raten, und auf die schwangeren Frauen, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Zur drängenden Situation der Pfarren in Österreich Es ist auch eine Aufgabe des Katholischen Laienrates, gegenüber den Bischöfen und gegenüber Rom auf den Priestermangel und die Möglichkeiten hinzuweisen, diesen auch durch die schon vorher und im Besonderen von der Delegiertenversammlung 1998 gewünschten Änderungen der Zulassungsbedingungen zum Weiheamt und zur Ausübung des Priesteramtes zu verringern. Andererseits sollen die dem geltenden Kirchenrecht nicht klar widersprechenden Möglichkeiten der Beteiligung von haupt- und ehrenamtlichen Diakonen und Laienchristinnen und Laienchristen am Leitungsdienst in den Pfarren voll ausgeschöpft werden. Dabei muss besonderer Wert auf den Abbau von gegenseitigen Ängsten und Vorbehalten gelegt werden und die Ergänzung und Zusammenarbeit im Dienst in den Vordergrund gestellt werden. Ein Ziel sollte auch sein, überschaubare Pfarrgemeinden mit einem von vielen getragenen Pfarrleben zu sichern. Begründung: Es gibt schon verschiedene durch die Notlage erzwungene oder aus dem Verständnis von Pfarre erarbeitete Formen der Beteiligung von hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Laien an der aus vielfältigen Aufgaben bestehenden Pfarrleitung. Dabei kommt es zu einer der speziellen Situation der Pfarre und den Fähigkeiten der Beteiligten entsprechenden Aufteilung der Dienste, Aufgaben und Kompetenzen, die auch als Grundlage für eine möglichst problemfreie Zusammenarbeit festgeschrieben werden sollte. Die Beschreibungen erprobter und bewährter Modelle der Aufteilung der Aufgaben sollen als Vorbilder und Ausgangspunkte bekannt gemacht werden. Zu Entscheidungen im Bereich des Europarates Die Vollversammlung des Katholischen Laienrates Österreichs beauftragt den Vorstand, Entscheidungen im Bereich des Europarates und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die Fragen der Religionsfreiheit, der Wertung der Familie und der Bioethik betreffen, bei ihrer Entstehung genau zu beobachten und auf Österreichebene und auf europäischer Ebene den Standpunkt der katholischen Laien einzubringen. Begründung: Urteile des EGMR und Resolutionen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates haben in den letzten Jahren in Fragen der Religionsfreiheit (im Besonderen der kollektiven positiven Religionsfreiheit; Stichwort: Kreuzurteil), der Wertung der Familie (Berichte zur Diskriminierung bzw. zu sexistischen Stereotypen) und der Bioethik (Stichwort: Verbot der Eizellspende) Standpunkte im Grundsätzlichen bzw. in Einzelheiten vertreten, denen man aus christlicher Überzeugung nicht zustimmen kann. Es sollen daher alle Mitsprachemöglichkeiten und Netzwerke genutzt werden, um auf verbindliche bzw. empfehlende Aussagen im Bereich des Europarates im Sinne christlicher Werte Einfluss zu nehmen.