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Ordentliche Vollversammlung des KLRÖ am 19. 3. 2011

Vor dem statutarischen Teil der Vollversammlung beschäftigte sich der Studienteil am Vormittag im Bildungszentrum der Fokolar-Bewegung Am Spiegeln mit dem Thema „Was bedeutet die korporative positive Dimension der Religionsfreiheit in Theorie und Praxis? Grundlagen, praktische Auswirkungen, Grenzen“.

Zuerst stellte Univ. Prof. Dr. Gerhard Luf unter dem Titel „Religionsfreiheit als Menschenrecht – philosophisch-theologisch (nach dem Vatikanum II)“ Religionsfreiheit als Zentrum der Menschenrechte, als abendländisches Spezifikum, als Grundlage der Würde des Menschen im Lichte seiner Bestimmung zur Freiheit dar und ging auch auf die Glaubensfreiheit innerhalb der Kirche ein.

Hon. Prof. Dr. Brigitte Schinkele behandelte das Thema „Religionsfreiheit – Religiöse Handlungen und religiöse Zeichen im öffentlichen Raum“. Sie betonte den engen Zusammenhang zwischen individueller und korporativer Religionsfreiheit, hob das Recht der Kirchen und Religionsgemeinschaften auf Präsenz in der staatlich verfassten Öffentlichkeit sowie der Zivilgesellschaft hervor und bezog auch die aktuellen Urteile des Obersten Gerichtshofs über Kreuze in Kindergärten in NÖ und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte über Kreuze in öffentlichen Schulen in Italien in ihren Vortrag ein.

Im Gegensatz zur Praxis laizistischer Staaten sieht Univ. Prof. Dr. Martin Jäggle die Schule als Ort allgemeiner Bildung im Kontext der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte auch zu religiöser Bildung verpflichtet. Religiöse Bildung sei als Glaubensunterweisung Recht jedes Einzelnen und der Eltern und als Beitrag für „Verständnis und Respekt/Toleranz gegenüber allen ... religiösen Gruppen“ eine Pflicht des Staates.

Die europaweit noch immer einzigartige Situation, dass islamischer Religionsunterricht an österreichischen öffentlichen Schulen im selben Ausmaß vorgesehen ist wie christlicher Religionsunterricht, sieht Univ. Prof. Dr. Ednan Aslan als große Chance zur Förderung der Identität des/r Einzelnen, zur Beheimatung der Muslime in der österreichischen Gesellschaft, zu einer veränderten Sicht des Verhältnisses zwischen Religion und Staat und zur Entwicklung eines mit der europäischen Tradition vereinbaren Islams

Die Vorträge waren eine schwierige Kost für die Teilnehmer/innen, stimmten nachdenklich und regten engagierte Diskussionen an.  

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