Stellungnahmen & Vorträge

Karikaturenstreit - Offener Brief des Präsidenten

Liebe Schwestern und Brüder! Vor allem auch: Liebe Schwestern und Brüder islamischen Glaubens! Die Ereignisse der letzten Tage veranlassen mich, ein paar persönliche Worte an Sie zu richten. Ich war entsetzt, als ich von den  Karikaturen erfuhr, mit welchen Mohammed, der Prophet aller Muslime, in völlig inakzeptabler Weise verunglimpft wurde. Ich fühle mit allen Muslimen und bin mit ihnen verletzt, weil für sie Heiliges in den Schmutz gezerrt wurde. Es ist bedauerlich, dass in unserer westlichen Welt manche Künstler und manche Journalisten jedes Gefühl für Anstand und Respekt verloren zu haben scheinen, wie mir dies auch in manchen  Karikaturen eines Deix, eines Hader, in Orgien eines Nitsch usw. der Fall zu sein scheint. Mit der Freiheit der Kunst kann so etwas nicht mehr verantwortet werden. Freiheit endet für einen verantwortungsvollen Menschen dort, wo die Freiheit des andern, seine Gefühle, seine Rechte verletzt werden. Andererseits ist es unsere westliche Kultur und eine mühsam erkämpfte Errungenschaft, dass vieles, was früher auch bei uns staatlich reglementiert und zensuriert war, nunmehr der freien Verantwortung des Einzelnen überlassen ist. Leider sind manche dann offenbar entweder nicht willens oder nicht imstande, die Grenzen dieser Freiheit zu beachten. Daher nochmals: Ich bedaure sehr, dass mit den genannten Karikaturen nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, sondern Sitte und Anstand gröblichst verletzt wurden. Ich bitte alle Muslime, die gleich mir Kinder eines liebenden Gottes  sind, zu verstehen, dass wir trotzdem nicht zu Zensur und Reglementierung zurückkehren wollen. Dass diese Karikaturen nunmehr einerseits  von einer Minderheit bei uns als Mittel zum Schüren der Fremdenfeindlichkeit missbraucht werden, dass zugleich andererseits extreme Gruppen unter den Muslimen ebendiese Karikaturen zum Anlass von Gewalttaten und Terror nehmen und wegen weniger unverantwortlicher Journalisten ganze Völker und Staaten zu Feinden erklären, erschreckt  mich noch viel mehr. Kehren wir zu sachlicher gemeinsamer Arbeit an der gemeinsamen Zukunft zurück! Strafen wir die Außenseiter mit Verachtung, aber nicht Unschuldige mit Gewalt und Ausgrenzung! Lassen wir uns auf dem Weg zueinander in gegenseitigem Verstehen, in gemeinsamer Hilfe für jene, die Hilfe brauchen, nicht beirren! Der Alleineinzige, den wir Gott, den Muslime Allah nennen, wird uns stärken und beschützen.

HR Dr. Rudolf Schwertner Präsident des Katholischen Laienrates Österreichs